Sportfluggruppe Husum e.V.
Luftsport zwischen den Meeren
Sportfluggruppe Husum e.V.
Luftsport zwischen den Meeren
Rudolf Apeldorn erzählt vom Aufbau unseres Flugplatzes
Foto aus der Zeit des Aufbaus des Flugplatzes Husum-Schwesing: Der Tower stammt aus dem Siegerland. Foto: Rudolf Apeldorn
Husum. Wer heute über den Verkehrslandeplatz Husum-Schwesing (EDXJ) in Nordfriesland berichtet, spricht über Raketenabwehr, Sicherheitsbereiche und militärische Notwendigkeiten. Das mag angesichts der weltpolitischen Lage verständlich sein. Dort ist der Sportfluggruppe Husum und allen anderen Nutzern nämlich gekündigt worden, weil an dem Standort das Luftverteidigungssystem Arrow 3 alle Flächen benötigen wird. Der aerokurier hatte früh darüber berichtet.
„Wer die Geschichte dieses Standortes wirklich kennt, weiß aber: Der Flugplatz war weit mehr als ein militärischer Außenposten der Bundeswehr.“ So fasst das Rudolf Apeldorn in einem persönlichen Rückblick für den aerokurier zusammen. Er hat den Aufbau des Platzes aktiv mitgestaltet und ist ihm stets eng verbunden geblieben. Der Bauingenieur und Wirtschaftsingenieur ist Gründer und Geschäftsführer einer Stahlbaufirma mit Standorten in Husum und Rotenburg (Wümme).

Apeldorn schreibt, er mache diese Notizen „ganz im Geiste von Reinhard Mesch“ (1927 bis 2004) und erklärt das damit, dass Oberst Reinhard Mesch 1977 bis 1982 Kommodore des Husumer Jet-Geschwaders war und in den 1990er Jahren maßgeblich die zivile Mitnutzung des Flugplatzes Schwesing mit auf den Weg gebracht habe. Zudem war er eine Weile Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Flughafen Husum.
Für Rudolf Apeldorn ist der Flugplatz über Jahrzehnte ein Stück nordfriesischer Infrastruktur gewesen – „und das nicht durch Zufall, sondern weil engagierte Bürger Verantwortung übernommen haben.“ Die Berichterstattung in den regionalen Medien vermittelte in letzter Zeit seiner Ansicht nach den Eindruck, als sei die zivile Nutzung lediglich eine beiläufige Episode gewesen – „ein paar Oldtimer-Treffen, Festivals und Flohmärkte. Das wird der tatsächlichen Geschichte nicht annähernd gerecht“, sagt er und erzählt wie er alles erlebt hat.
Die zivile Nutzung des Flughafens Husum-Schwesing sei nicht durch staatliche Programme oder politische Visionen entstanden. „Sie entstand aus Initiative, Mut und Beharrlichkeit einzelner Menschen aus der Region. Zu ihnen zählten leidenschaftliche Akteure wie Uwe Paulsen, Thomas Hansen, Jens Kahl und Rolly Waldbruch von der Sportfluggruppe.“ Sie hätten mit weiteren Unterstützern, wie auch von Apeldorn selbst, erhebliche Zeit, finanzielle Mittel und persönliche Energie investiert, um aus einem militärisch geprägten Gelände einen funktionierenden zivilen Standort zu entwickeln.“
Apeldorn betont ausdrücklich: „Es ging dabei nie nur um Sportfliegerei. Es ging um die Idee, dass Nordfriesland Infrastruktur braucht. Dass wirtschaftliche Entwicklung nicht allein in Kiel oder Berlin entschieden werden darf. Dass ein Flugplatz im ländlichen Raum Chancen eröffnet — für Unternehmen, Technik, Veranstaltungen, Tourismus und regionale Vernetzung.“
Auch die Stadt Husum habe diese Entwicklung damals unterstützt. Ohne diesen Rückhalt wäre vieles nicht möglich gewesen. Vor allem aber habe es Menschen gebraucht, die bereit waren, Verantwortung zu übernehmen, Risiken einzugehen und gegen Widerstände anzutreten.
Wer die alten Unterlagen kenne, wisse, welcher Aufwand tatsächlich hinter diesem Projekt stand: Gesellschaftsverträge, Beteiligungsmodelle, Hallenplanungen, Gespräche mit Gemeinden, wirtschaftliche Konzepte und unzählige Sitzungen. Vieles davon wurde ehrenamtlich oder mit erheblichem persönlichem Einsatz getragen.
Besonders zu nennen bleibe Hasso von Dammann, der als Geschäftsführer von 2005 bis zu seinem Tod im Vorjahr die operative Verantwortung mitgetragen habe und mit seiner Frau enorme Arbeit in den Standort investierte. Von Dammann war Physiker und hatte bereits 2004 vorgeschlagen, Wasserstoff als Stromspeicher aus erneuerbaren Energien auf dem Flugplatz zu verwenden. Auch Apeldorn engagiert er sich seit je her für die Integration von Photovoltaikanlagen, Speichertechnologien, intelligentem Energiemanagement und dezentralen Versorgungskonzepten in moderne Gewerbeimmobilien. Für den Flugplatz gelang diese Transformation nicht mehr.
„Und vielleicht sollte man auch daran erinnern, dass viele dieser Menschen keine Investoren aus anonymen Fonds waren. Es waren Nordfriesen. Menschen mit Bezug zur Region, zur Fliegerei und zur wirtschaftlichen Zukunft dieses Landstrichs“, fährt Apeldorn fort.
Nun kehrt der Flugplatz vollständig in die militärische Nutzung zurück. Das mag politisch notwendig sein. Aber notwendig wäre ebenso ein Mindestmaß an historischer Fairness, fordert Rudolf Apeldorn. „Wer heute erklärt, Schwesing bekomme ,eine neue Bedeutung’, der sollte nicht vergessen: Bedeutung hatte dieser Standort schon lange zuvor. Nicht wegen internationaler Raketenabwehrsysteme. Sondern weil Generationen von Bürgern ihn über Jahrzehnte aufgebaut, getragen und mit Leben gefüllt haben.“
Birger Bahlo